Denn Badezimmer mutieren immer mehr zu Wellnesstempeln. Da käme niemand auf die Idee, das vom  Sohn des Nachbarn machen zu lassen. Der hat nämlich noch nie ein Bad gefliest. Als er klein war, konnte er aber prima im Sandkasten Sand mit Wasser anrühren und Förmchen füllen. Speis anrühren ist ja nicht großartig anders.

Er macht es auch viel billiger als das Sanitärunternehmen um die Ecke. Die sind sowieso alle eingebildet und verlangen überzogene Mondpreise. Nur weil die was von ihrem Fach verstehen. Was denken die sich denn? Vielleicht macht der Nachbarsjunge es sogar umsonst, denn er braucht Referenzen für sein zu gründendes Bäderimperium. Und überhaupt muss es ja auch nicht unbedingt  ein Keramikthron von Villeroy&Boch sein. Ein sägerauhes Holzbrett mit ausgesägtem Loch erfüllt den gleichen Zweck zu einem Bruchteil der Kosten. Eine Extraleitung für warmes Wasser ist völlig sinnloser Luxus…

Das Szenario klingt irgendwie abstrus und kein Mensch (na gut kaum einer) käme auf so eine Idee. Komischerweise machen Unternehmer genau das mit der eigenen Firmenhomepage. Nur dass sie das Ergebnis nicht verschämt hinter einer verschlossenen Türe verstecken können, sondern stolz der gesamten Welt online 24 Stunden am Tag präsentieren.

Eine Website ist also kein Badezimmer. Da darf es nur vom Feinsten sein. Die Außendarstellung des Unternehmen wird aber gerne an den Sohn des Nachbarn oder sonst wen delegiert, der schon mal etwas mit einem kostenlosen Programm zusammengeklickt hat. Das macht ja keinen Unterschied zu professioneller Arbeit. Dieses Phänomen ist so verbreitet, dass sich mit „Neffendesign“ sogar ein eigener Begriff etabliert hat.

Ich frage mich, ob solche Unternehmer überhaupt als Kunden zu gewinnen sind. Ich habe Überzeugungsversuche mittlerweile wegen chronischer Erfolglosigkeit eingestellt. Aber vielleicht gibt es einen Hebel, mit dem man erfolgreich ansetzen kann und ich habe ihn nur noch nicht gefunden?

2 Responses zu “Eine Webseite ist kein Badezimmer – leider”

  1. Alex :

    Wenn es einen Weg gaebe, den Leuten zu erklaeren, wie viel Geld sie verlieren, weil potentielle Kunden von ihrer Website abgeschreckt werden…

  2. Michael :

    Durch solche indirekten Hilferufe wirds auch nicht besser. Es gilt eine uralte Regel: Mache nie den Wettbewerb und sei es der Neffe von nebenan, zu Deinen Gunsten öffentlich schlecht. Das schadet Dir mehr, als Du Dir vorstellen kannst.

    Schau nach von und lerne aus den Fehlern anderer! Dieses Wissen um bekannte Fehler kannst Du beim Erstgespräch mit dem Kunden für Dich nutzen, darfst diese aber nie zum Eigenutz gegenüber dem Auftraggeber äußern.

    LG.
    Michael

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